Wenn Internet-Inhalte plötzlich nicht mehr mit dem Browser angesurft, sondern als Sounddatei abgehört werden sollen, nennt man das Podcasting. Der Name ist eine Mischung aus dem Kultgerät Apple iPod und aus dem englischen Wort Broadcasting. Gerüchten zufolge ist das Wort Podcasting das Akronym für Private On Demand & Categorized Audio Speech Tracks, ebenso wahrscheinlich ist jedoch schlicht und einfach die Benennung nach dem Musik-Player iPod in Kombination mit dem Wort Broadcasting für Senden. Verbreitet wird der Podcasting-Trend übrigens durch die sich ebenfalls explosionsartig immer weiter ausbreitenden Weblogs, die bereits das RSS-Format und Template-Systeme fürs Personal Publishing internetgesellschaftsfähig machten. Ein bisschen bizarr mutet das auf den ersten Blick schon an: Einerseits bemühen sich Anbieter und Webdesigner mehr denn je darum, die Inhalte im Internet möglichst barriere- und PlugIn-frei zu präsentieren, um den mühelosen Abruf auch per Text-Browser für Sehbehinderte oder mit dem modernen Handy zu ermöglichen. Andererseits ist Podcasting immer noch im Trend. Das bedeutet, dass Inhalte entweder per RSS bereitgestellt werden oder heruntergeladen werden müssen, um diese mit einem speziellen Abspielgerät oder einer Software für Sounddateien abzuhören. Podcaster empfinden das auch gar nicht als Widerspruch, sondern einfach nur als eine weitere Alternative für das Konsumieren von Beiträgen aus dem WWW. Das Besondere am Publizieren per Podcast ist nicht die Bereitstellung von Audiobeiträgen alleine, sondern vor allem die komfortable Abwicklung per RSS-Audio-Feed, über den die Dateien auch direkt heruntergeladen werden können.
Podcasting per RSS
Die Bereitstellung von Informationen über das RSS-Format ist kein neuer Trend mehr, für viele User jedoch immer noch Neuland. RSS wird verwendet, um Informationen im XML- Format bereitzustellen: Der Inhalt einer Website, zum Beispiel eines Newstickers, wird als RSS-Feed ohne Layout oder Design veröffentlicht und kann dann mit einem Aggregator- Programm (ein so genannter Feedreader) heruntergeladen werden.
Technische Voraussetzungen
Um Podcasts anzubieten, benötigen Sie ein Mikro am Computer, eine Software für die Aufnahmen und Webspace für den Upload der Audio-Dateien. Der allerdings sollte nicht zu wenig Traffic im Tarif mitbringen, denn ein in der Blogosphäre beliebter Podcast kann schnell viele Hunderte von Malen abgerufen werden und damit den Datenumsatz beträchtlich in die Höhe treiben.
Warum? – Die Sinnfrage
Podcasting ist in allen Ohren, aber es gibt erstauntes Kopfschütteln bei allen, die zum ersten Mal davon hören: Warum sollte man Informationen im MP3-Format bereitstellen, die im Textformat mit jedem Browser abrufbar wären? Ganz einfach – weil man es kann. Weil es sinnvoll sein kann und das spielerische Experimentieren mit dem Bereitstellen oder Konsumieren von Beiträgen Spaß bringt. Weil sich aus verspielten Anwendungen oft weiterführende Entwicklungen mit viel Nutzwert ergeben – für User mit Sehbehinderungen ist ein Podcasting-Beitrag zum Beispiel vermutlich wesentlich angenehmer abzuhören als eine vielleicht nicht barrierefrei gestaltete Webseite zu lesen ist. Weil die Verbreitung von mobilem und Breit- band-Internet und die ständig wachsende Multimedialität in allen Anwendungen eben auch dafür sorgen, dass neben digitalen Bildern und Videos auch Sounds immer mobiler werden. Und weil es Spaß macht, mit Podcasting Informationen auf die Ohren zu bekommen: Wenn es weder angenehm noch unterhaltsam wäre, würde sich Podcasting kaum so verbreiten, wie es momentan geschieht.
Statt Radio
Podcasting ergänzt die neue Generation von Abspielgeräten, die bereits mit großen Datenspeichern ausgeliefert werden und es damit überhaupt erst möglich machen, sich Informationen und Hörstücke in größeren Mengen mal eben nebenbei zu laden und so zu konsumieren wie „neulich“ noch Hörbücher oder gelegentlich einen Online-Artikel der „Zeit“. Podcasting bietet noch weitere Vorteile: Im Gegensatz zum Radio ist man nicht auf die Erreichbarkeit eines Senders beschränkt. Und anders als bei einem Stream über das Internet kann man in einer Podcasting-Datei einfach vorspulen, wenn ein Song übersprungen werden soll oder ein Text Längen hat. Vor-und zurückspulen, Details wiederholen und mit dem MP3-Player unterwegs Informationen aufnehmen, ohne auf rauschfreien Empfang angewiesen zu sein: Podcasts haben Radiobeiträgen einiges voraus.





Ich bin faul, deshalb Podcast
DanielB on 22. Juni 2010 - 23:46Da wir Menschen ja bekanntlich eher eine faule Sorte sind, schauen wir uns lieber Videos an und hören Texte, als ewig lange Beiträge zu lesen.
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