Für Flach-TVs ist das Beste gerade gut genug. Lieber heute als morgen würden Kunden die werbewirksam hervorgehobene Eignung ihres teuren Bildschirms fürs hoch-auflösende Fernsehen der Zukunft auch nutzen. Allein es fehlt an Spielfilmen auf Disc einem Medium, so handlich wie die DVD, nur mit deutlich mehr Fassungsvermögen. Denn die extra scharfen Bilder brauchen extra viel Platz. Da muss die elf Jahre alte DVD passen.
Technisch ist die Lösung einfach, statt des roten Lasers der DVD-Technik liest ein blauer die Scheiben der Zukunft. Das blaue Licht ist kurzwelliger und kann deshalb feinere Spuren schreiben. Auf die Zwölf-Zentimeter-Discs passen also mehr Informationen. Aber die Hersteller streiten ums richtige System. Nicht zum ersten Mal. Bevor die DVD in ihrer heutigen Form beschlossen wurde, hatten sich zwei Lager gebildet. Auf der einen Seite standen Sony und Philips, auf der anderen alle übrigen wichtigen Japanischen Unter-nehmen, angeführt von Toshiba. Am Ende schlug sich das Beste aus zwei Welten im DVD-Standard nieder und wurde ein Erfolg.
Die Kombattanten
In der Neuverfilmung des Formatkrieg-Spektakels sind die Rollen anders verteilt. Alle weltweit wichti-gen Unterhaltungselektronikhersteller unterstützen eine Scheibe namens Bluray. Toshiba und NEC halten mit der DVD-Weiterentwicklung namens HD-DVD dagegen. Zwischen den Fronten und wahrscheinlich schlachtentscheidend stehen die Filmstudios.
Klare Sache: Blu-ray ist das leistungsfähigere Format. Aber es wäre nicht das erste Mal, das die Taktik und nicht die Technik entscheidet. Stand der Dinge: Bei den Geräten hat aktuell die HD-DVD weltweit die Nase leicht vorn, denn die Player sind in Japan und USA bereits seit Frühjahr auf dem Markt. Erst seit dem Sommer können US-Kunden auch Blu-ray-Spieler kaufen. Entscheidend bleibt aber der Nachschub an Filmen. Trotz des früheren Starts von HD-DVD unterstützt die Mehrzahl der Hollywood-Studios eindeutig Blu-ray. Disney, Fox und Sony Pictures wollen ihre HDTV-Filme ausschließlich als HDTV-Filme-ray pressen, Warner und Paramount wollen beide Systeme nutzen, Universal veröffentlicht nur HD-DVD.
Damit kommen laut aktuellen Marktzahlen aus den USA rund 80 Prozent aller Spielfilme aus den Blu-ray-Studios, während das HD-DVD-Lager auf etwa 50 Prozent zählen kann. Daneben spielen natürlich speziell in Europa kleinere, unabhängige Produzenten und Verleiher eine Rolle, so etwa Studio Canal, das sich ganz der HD-DVD verschrieben hat. Andere werden sich je nach Unterstützung und Marktchancen von Fall zu Fall orientieren. Der umsatzstarken Porno-Branche etwa wird eine Vorliebe für Blu-ray nachgesagt. So weit, so klar. Aber was ist der Auslöser für den Streit ? Am Anfang des für neutrale Beobachter kaum nachvollziehbaren Disputs stand tatsäch-lich die Technik.
Die Unterschiede
Blick zurück: Am 18. Februar 2002 redeten in einem Tokioter Hotel eine Nacht lang Manager von Sony, Panasonic und anderen Firmen auf Hisashi Yamada ein. Doch der Toshiba-Mann, bekannt geworden als die treibende Kraft hinter der DVD-Entwicklung, schüttelte den Kopf und so mussten Sony & Co am nächsten Morgen ihr Blu-ray-Disc-Konzept alleine präsentieren. Was Toshiba an Blu-ray störte. Die Datenschicht des Konkurrenzvorschlags liegt nur einen Zehn-telmillimeter unter der Disc-Oberfläche, ein deutlicher Unterschied zur DVD. Die Presswerke hätten ihre damals noch jungen DVD-Anlagen einmotten müssen. Zudem sah Blu-ray wegen der dünnen Schutzschicht eine Hülle („Caddy") vor, beides, so Yamada, mache die Disc zu teuer. Die Filmstudios würde einen solchen Träger nicht akzeptieren. Die HD-DVD lehnt sich enger an die DVD an, bestehende Disc-Fertigungsanlagen könnten relativ leicht umgerüstet werden, ver-kündete Toshiba.
Die dünne Oberfläche der Blu-ray ist dank kratzfester Beschichtung heute kein Thema mehr, der Caddy damit überflüssig. Beide Disc-Typen setzen auf dieselben Video- und Audiostandards. Unter-schiede gibt es beim Kopierschutz: Blu-ray hat zwei weitere Schutzmechanismen gegen Raubkopien vorgesehen, eine Markierung auf den Discs und ein Programm, das die Player auf eventuelle Manipulationen untersucht.
Auch die Technik für Menüs und Interaktivität sind unterschiedlich: Hier setzt das Blu-ray-Lager auf die Programmiersprache Java, wahrend die HD-DVD-Seite das System iHD ausgewählt hat; es basiert auf der Dokumentenbeschreibungs-Spra-che XML. Technisch wären die Differenzen durchaus über-brückbar: Der wesentliche Unterschied zwischen den Scheiben ist die Schichtlage, der blaue Laser müsste auf zwei Tiefen fokussieren, das gilt als knifflig, aber machbar. Schwieriger ist die Lizenzfrage, denn ein solcher Player würde wegen dop-pelter Gebühren deutlich teurer. So gibt vorläufig keines der Lager klein bei.
Die Geräte
Toshiba will ab November den HD-E 1 für rund 650 Euro in Deutsch-land verkaufen. Er spielt neben den HDTV-Filmen auch alle Arten von DVDs und CDs ab, verbindet sich per HDMI oder Komponentenausgang mit jedem HD-ready-Fernseher und beliefert die Heimkinoanlage mit sattem Sechskanal-Sound in diversen Formaten. Er ist sogar Netzwerk- und Internet-tauglich, was sich aber nur mit entsprechenden Filmen nutzen lässt. Anfang 2007 soll's eine bessere Version namens HD-XE 1 geben. Wer bereits die Spielekonsole Xbox 360 besitzt, hat noch eine günstigere Alternative: Ebenfalls ab November will Microsoft ein 200 Euro teures Zusatzlaufwerk ausliefern, das HD-DVD abspielen kann. Sein Haken: Es hat keine digitale HDMI-Schnittstelle, so dass bei manchen kopierge-schützten Filmen nicht die volle Bildqualität zu sehen sein wird. Das Blu-ray-Lager steigt wesentlich weiter oben auf der Preis-skala ein: Für rund 1300 Euro lie-fert Samsung Ende Oktober den Player BD-P 1000 aus, den es in USA schon seit Juni gibt; wenige Tage danach rollt der Panasonic DMP-BD 10 an, der 1500 Euro kostet. Noch teurer wird es mit dem MCP 9480 i von Philips, der trotz seines Wohnzimmer-Designs ein Computer ist, wenn auch gut unter einer Media-Center-Oberfläche versteckt. Er soll rund 2500 Euro kosten, kann aber sogar Blu-ray Discs brennen, etwa von Camcorder-Aufnahmen. Günstiger wird es ab kommenden März, denn dann kommt die Playstation 3 von Sony. Die bereits mehrfach verschobene Konsole soll nun bereits in der 500-Euro-Version einen HDMI-Ausgang besit-zen und als erster Blu-ray-Player internetfähig sein. Die 600 Euro teure PS-3-Variante hat eine etwas größere Festplatte, Funknetzwerk und Kar-tenleser. Zu diesem Zeitpunkt wird Sony auch ein reines Abspielgerät anbieten, das Modell BDP-S 1 für rund 800 Euro.
Bis Mitte 2007 soll sich das Sortiment deutlich ausweiten: Dann wollen Philips, LG, Pioneer und Sharp Player anbieten.
Die Entscheidung
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, wann und wie der Formatstreit endet. Zwar steht Toshiba relativ alleine da, doch die Firma hat mächtige Verbündete wie Microsoft und Intel.
Die Japaner selbst kämpfen zudem um die Ehre. Denn Toshiba-Präsident Yoshihide Fujii versteht „bis heute nicht, warum der Blu-ray-Standard nicht beim DVD-Forum eingereicht wurde", schließlich führt seine Firma diese Organisation.
Undenkbar scheint, dass die Blu-ray-Anbieter von ihrem Standard lassen. Sony hat praktisch das Schicksal der gesamten Firma an den Erfolg der Playstation 3 geknüpft. Auch andere Hersteller haben viel Zeit und Geld in die Entwicklung des Formats gesteckt, etwa Panasonic oder Philips. Die Kunden müssen sich daher, aller Wahrschein-lichkeit nach, auf einem Nebeneinander beider Systeme einstellen. Gut möglich, dass eines Tages alle Studios ihre Filme auf beide Disc-Typen pres-sen. Das wäre die positive Variante. Das negative Szenario endet wie der Konflikt um die CD-Nachfolge: Super-Audio-CD und DVD-Audio traten an,keiner gewann, beide Systeme blieben bedeutungslos. Ohnehin wird die DVD nicht ver-schwinden. Ihr Bild sieht auch auf modernen Flach-TVs richtig gut aus. Nur wer immer das Neueste sofort haben will und über das nötige Kleingeld verfügt, der sollte heute schon bei einem der beiden Systeme einsteigen.




