Es gibt viele Möglichkeiten, sein hart erspartes Geld wieder los zu werden. Man kann es ausgeben, es zum Fenster hinauswerfen oder Anlagebetrügern in den Rachen schieben. „Das würde mir doch nie passieren", sagt fast ein jeder. Doch die Realität beweist das Gegenteil. Jahr für Jahr werden private Anleger in Deutschland um Beträge in Milliardenhöhe erleichtert.

 

Unter dem Stichwort „Doppelstrategie" beschreibt die im Jahr 2001 gegründete LAM Immobilien- und Beteiligungs-AG in ihrem damaligen Prospekt, wie Anleger reich gemacht werden sollen. Obwohl die LAM AG, nach Schilderung des auf Kapitalmarktfälle spezialisierten Rechtsanwalt Martin Diefenbach aus Düsseldorf, im ersten Jahr nach Aufnahme ihrer aktuellen Geschäftstätigkeit keinerlei Umsätze erzielt hat, die ihrem Geschäftszweck entsprechen würden, wirbt das Unternehmen damit, die Anleger mit kurzfristigem Handel von Immobilien und langfristigen Investitionen in Zukunftsbranchen wie Logistik, Windkraft, Internet und Biotechnologien reich zu machen. Klingt nett, sollte die Strategie auch wirklich aufgehen. Die Börseneinführung der LAM-Aktie sei in Vorbereitung und der Börsengang für 2005 vorgesehen.

EIN PATZEN GELD
Sechs Jahre später. Ein Börsengang hat niemals stattgefunden. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Offenbar hat die LAM AG nie eine ihrem Gesellschaftszweck entsprechende Geschäftstätigkeit entfaltet Mehr ähnelte die LAM AG einem Callcenter, in dem 20 bis 30 Callagents neue Anleger akquirierten und somit zum Erwerb von LAM Aktien veranlassten. Mit dieser geschäftstüchtigen Idee konnte die LAM AG in der Zeit bis 2003 Aktien im Wert von 7,7 Millionen Euro verkaufen. Mittlerweile soll ein Betrag von nahezu 20 Millionen Euro zusammen gekommen sein, um den Kleinanleger betrogen worden sind. Ein Patzen Geld also, den die LAM AG einnehmen, aber eben nicht „erwirtschaften" konnte. Zwar scheint die LAM AG mit Hilfe der von Aktionären geleisteten Zahlungen Beteiligungen an einigen Unternehmen und sogar ein Marriot-Hotel erworben zu haben, jedoch sind allein zwei der Gesellschaften, die in der Schweiz angesiedelt sein sollen und an denen die LAM AG Beteiligungen hält, nicht offiziell registriert und verfügen über keinen Geschäftssitz. Noch kurioser ist die Tatsache, dass nach Auskunft von Anlegerschutzanwalt aus Düsseldorf Axel Pelzer, von den Konten der LAM AG in der Zeit zwischen Juni 2002 und Mai 2003 Barabhebungen in Höhe eines Gesamtbetrages von ca. 1,2 Mio. Euro, hauptsächlich in Teilbeträgen von 5.000 Euro bis 20.000 Euro, getätigt worden sind. Die Verwendung dieser Gelder ist bis dato unbekannt. Weiterhin ist auch interessant, dass die Gesellschaft in den Jahren 2000 bis 2003 keine Steuererklärungen abgegeben hat und zum anderen ihren gesetzlichen Mitwirkungspflichten gegenüber dem Finanzamt im Rahmen einer Betriebsprüfung nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist. Erst im Juli 2004 entschied sich das Unternehmen, auf die Forderungen des Finanzamtes einzugehen.

ERMITTLUNGEN WEITEN SICH AUS
Rob Baan, Vorstand der LAM AG, wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl gesucht, Büroräume werden auf den Kopf gestellt und Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln weiter. Bei Durchsuchungen von Firmenbüros in Köln, Duisburg, Düsseldorf und den Niederlanden werden diverse Unterlagen beschlagnahmt. Nach Auskunft der Bundesanstalt für Finanz dienstleistungssaufsicht (BaFin) hat die Gesell schaft bisher keinen aktuellen Emissionsprospekt hinterlegt. Die Homepage des Anbieters ist seit kurzer Zeit nicht mehr erreichbar. Zirka 20 Millionen Euro haben die Anleger bei der LAM AG investiert. Nur einen Bruchteil davon soll die Gesellschaft tatsächlich angelegt und in das Gesellschaftsvermögen überführt haben. Nach Angaben des Behördensprechers Günther Feld konnte die Staatsanwaltschaft auf den Geschäftskonten bisher lediglich 500.000 Euro beschlagnahmen. Wie viele Anleger von ihrem Geld noch etwas sehen werden, ist unklar.

 

Den Anlegern wurden hohe Renditen in Aussicht gestellt, die bei diesem so genannten „Day-Trading" erwirtschaftet werden sollten. Beim Day-Trading werden Aktien unter Ausnutzung kleinster Kursschwankungen gekauft und am selben Tag wieder verkauft. Bis zu sechs Prozent Gewinn monatlich wurden den Anlegern versprochen. Doch trotz dieser genialen Software, die angeblich erfunden worden sein sollte, hat die PCO keine dafür erforderliche Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften, weder in Deutschland noch in den USA.
Seit September 2007 gilt die PCO als zahlungsunfähig. Trotz einer Verfügung der BaFin, mittels derer der PCO untersagt wurde, das Einlagengeschäft grenzüberschreitend in Deutschland und anderen Ländern zu betreiben, sowie einer Anordnung zur Rückzahlung der Anlegergelder, liegt der entstandene Schaden angeblich bei über 100 Millionen Euro. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Mannheim ermitteln wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs. "Endlich wird diesen Machenschaften, vor denen schon länger gewarnt wird, ein Riegel vorgeschoben, Respekt vor dem entschlossenen Vorgehen der Staatsanwaltschaft", so BSZ e.V.-Vertrauensanwalt Walter Späth.
WETTLAUF MIT DER ZEIT
Mittlerweile sollen diverse Vermittler der Aktien Rundschreiben an die Anleger geschickt haben. In diesen Schreiben wird behauptet, man bemühe sich, die Promissory Note (Schuldscheine) bei der Bank in den USA einzureichen". So soll den Anlegern suggeriert werden, eine Bank stehe hinter der von Engler begebenen Promissory Note und garantiere eine Rückzahlung. Dies soll jedoch nicht der Wahrheit entsprechen. Da die Bank nichts mit diesem Skandal zu tun hat, können ihr gegenüber auch keine Ansprüche geltend
gemacht werden.
Das Schreiben ist offensichtlich der Versuch der Vermittler, sich selbst als Opfer darzustellen und als Kämpfer für die Rechte ihrer Kunden zu profilieren. Tatsache ist, dass viele Anleger realistisehe Chancen auf Schadensersatz nur direkt gegenüber ihren Vermittlern haben. Die Durchsetzung der Ansprüche der Geschädigten ähnelt momentan einem Wettlauf mit der Zeit. Jeder Tag zählt, wenn es darum geht, Ansprüche gegen die Vermittler durchzusetzen, die mit ihrem begrenzten Privatvermögen haften.
COLD CALLI NG
Die Masche ist einfach und wirkungsvoll: Ein Telefonanruf, mit dem man den potenziellen Kunden kalt erwischt. Callagents verkaufen auf diese Weise viele Aktien, die ihr Geld nicht wert sind. Ein schnelles Telefongespräch, in dem man den Zuhörer mit gespielter Euphorie zum Erwerb wertloser Aktien oder anderer Formen von Unternehmensbeteiligungen überredet. Unfassbar, dass es Menschen gibt, die auf so ein unseriöses Verkaufsgespräch hereinfallen, denken sich viele Bundesbürger, doch der Wunsch nach schneller Rendite ist oftmals größer als der Verstand. Der Handel mit Aktientipps ist ein Riesengeschäft.
"Wertlose Aktien werden an Gutgläubige verkauft. Mal geschieht es via Telefon, mal über Börsenbriefe", sagt Volker Pietsch, Vorstand des Deutschen Instituts für Anlegerschutz. Viele der Angerufenen wissen es gar nicht: Werbung übers Telefon ist nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb in Deutschland verboten. Was jedoch die Betrüger wissen, ist die Tatsache, dass ein Verstoß gegen diese Vorschriften nur selten zur Strafe führt und oftmals „nur" eine Abmahnung nach sich zieht.
95.887 Fälle
95.887 Fälle der Wirtschaftskriminalität wurden im Jahr 2006 in der Polizeilichen Kriminalstatistik Deutschland registriert. Dies entspricht 1,5 Prozent aller polizeilich bekannt gewordenen Straftaten. Der verursachte Schaden belief sich auf rund 4,3 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 35.751 Tatverdächtige registriert und der verursachte Schaden verdeutlicht, dass dieser Deliktsbereich erhebliche negative volkswirtschaftliche
und soziale Folgen verursacht. „Der Anstieg der Gesamtfallzahl 2006 resultiert im Wesentlichen aus den Veränderungen in den Phänomenbereichen „Wirtschaftskriminalität und Betrug" (+ 17,4 Prozent), "Anlage- und Finanzierungsbereich" (+81,9 Prozent) und Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Kapitalanlagen" (+65,6 Prozent). Diese Veränderungen sind vor allem auf den Abschluss mehrerer umfangreicher Ermittlungsverfahren zurückzuführen", so das Bundeskriminalamt Wiesbaden.
Die momentane Situation des Kapitalanlagebetrugs in Deutschland ist nach Aussage von Michael Brack aus dem Polizeipräsidium Düsseldorf nur schwer greifbar. „Zum einem, weil die Verfahren erst nach Abschluss, also oftmals erst nach Jahren der eigentlichen Tat, statistisch erfasst werden, zum anderen werden nicht alle Taten angezeigt und es werden auch nicht alle angezeigten Taten statistisch erfasst", so der Experte.

 

Merkmale unseriöser Anlageangebote:

  • Telefonische Akquise von so genannten Finanzdienstleistungs- oder Vermögensverwaltungriunternehmen.
  • Erhebliche Gebühren für angebliche Käufe bzw. Verkäufe Im Kleingedruckten des Prospektmaterials.
  • Komponenten wie Timesharing sowie zins- und tilgungsfreie Kredite.
  • Herausstellung guter Renditechancen (zweistellig) bei gleichzeitigem Herabspielen des Risikos.
  • Telefonisches Angebot von Termingeschäften in Waren, Devisen und Aktienoptionen o.ä.
  • Vorschlag, mit einer kleineren Summe zunächst „testweise" in die Kapitalanlage zu investieren.
  • Sitz des angeblichen „Kapitalanlageunternehmens" im Ausland oder an sog. Offshore-Plätzen.
  • Erwähnung oder Herausstellung der Mitgliedschaft in Verbänden und Vereinen.
  • Nach einem ersten, meist erfolgreichen Geschäft wird vorgeschlagen, eine zweite Geldsumme einzusetzen, die meist infolge angeblicher Marktentwicklungen verloren geht. Darauf folgt das Angebot, den Verlust durch Einsatz eines höheren Geldbetrags auszugleichen.


Anlageformen im Grauen Kapitalmarkt

  • Atypisch stille Beteiligungen
  • Geschlossene Immobilienfonds
  • Grundschuldbriefbeleihungen
  • P-Bonds (Premium Saving Bonds)
  • Außerbörsliche Aktien
  • Nigeria-Connections
  • Kredite
  • Schneeballsysteme
  • Warentermingeschäfte

Ungewollte Telefonanrufe

Gast on 22. Juli 2010 - 9:20

Danke für den guten Artikel.
Nach einem Anruf von einer Firma die mich über Kapitalanlagen informieren wollte habe ich zuerst mit Interesse reagiert. Ein gropßer Fehler, seit dem werde ich ständig von solchen Firmen angerufen. Ich kann jedem nur raten dies gleich am Anfang abzublocken.

Unabhängige Berater

Gast on 28. August 2010 - 15:04

Ich empfehle unabhängige Finanzberater, die pro Stunde oder einen Festbetrag bezahlt werden. Eine gute Beratung ist schon so um die 150 Euro zu bekommen, lohnt sich auf jeden Fall, da diese Berater nicht von den Provisionen der angebotenen Produkte leben sondern von einer guten Beratung. So ist die Unabhängigkeit gewährleistet.