Bausparverträge - Sie gelten seit Jahrzehnten als sicher, preiswert und gut. Die Branche tut alles, damit sich das Urteil hält. Doch Verbraucherschützer führen mittlerweile viele Gegenargumente ins Feld. Mit massiven Kampagnen werben die großen Bausparkassen um Kunden. Überzeugungsarbeit tut not, denn so laut die Bausparkassen derzeit ihre Angebote feilbieten, so laut halten Verbraucherschützer auf der anderen Seite dagegen. „Anleger sollten ganz auf neue Bausparverträge verzichten", fordert ein Finanzanalytiker Anfang Juni in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auf Seiten der Verbraucherzentralen mehren sich Empfehlungen, die sich diesem Urteil anschließen. Dies umso mehr, je weniger bei Abschluss des Vertrages feststeht, für was das Geld später verwendet werden soll - oder ob überhaupt jemals ein Kredit benötigt wird.
Denn nur dann tritt ein, was die Anbieter anpreisen: Kalkulierbare Kreditzinsen, die so niedrig sind, dass die ebenfalls nicht sehr hohen Zinsen während der Ansparphase ausgeglichen werden. „Eigentlich", erklärt ein Insider, „ist ein Bausparvertrag eine Wette." Der Kunde gewinnt, wenn während der Kreditphase die Kreditzinsen auf dem freien Markt deutlich höher sind als die seines Jahre zuvor vereinbarten Zinssatzes.
In den vergangenen Jahren lagen die Zinssätze der Bausparkassen aber über denen anderer Immobilienfinazierungen. Auch derzeit geht die Rechung nicht auf. Denn inzwischen werden auch die Unterschiede in der Ansparphase immer gravierender. Traditionell war es so, dass der banktreue Kunde in der Ansparphase gegenüber dem Bausparen kaum große Nachteile hatte: Sparkassen, und Großbanken zahlten ihren Kunden auch nur mickrige Guthabenzinsen.
Harter Konkurrenzkampf
Heute konkurrieren die Bausparkassen jedoch schon in der Ansparphase mit Direktbanken oder ausländischen Banken, die vergleichsweise hohe Zinsen bieten. In der Darlehensphase sind die Konkurrenten hoch spezialisierte Kreditproduzenten, die mit früher kaum gekannten Niedrigmargen arbeiten. In dieser Konkurrenzzwickmühle können die Bausparkassen mit ihren traditionellen Tarifstrukturen nicht mithalten, weil der Zinsverlust in der Ansparphase durch relativ niedrige Darlehenszinssätze kaum noch wettzumachen ist.
Ein weiteres Manko bringen die Änderungen bei der Riester-Förderung, die rückwirkend zum 1. Januar 2008 in Kraft treten. Bislang profitierten Bausparer von der Wohnbauprämie - auch wenn sie das Geld nicht für Bauvorhaben einsetzten. Fast alle Bausparkassen warben daher auch um die Sparer, deren Sparziel noch gar nicht feststand.
Jetzt darf zwar die private Altersvorsorge für den Bau oder Kauf eines Hauses oder einer Wohnung genutzt werden, um dies jedoch finanzieren zu können, bekommt die Wohnungsbauprämie ab 2009 nur noch, wer tatsächlich baut, eine Wohnung kauft oder renoviert. Einzige Ausnahme: Bausparern bis zu 25 Jahren wird weiterhin freigestellt, wie sie die Wohnungsbauprämie verwenden. Theoretisch können sie das über einen Bausparvertrag angesparte Kapital auch für den Kauf eines Autos oder zur Finanzierung des Studiums verwenden.
Unabhängige Finanzexperten, empfiehlen jungen Leuten weiterhin den Bausparvertrag. Argumentation: „Es gibt kaum flexiblere Instrumente für junge Menschen." Ein Bausparvertrag lasse sich jederzeit teilen, aufstocken und -fehlt mal das Geld - sogar aussetzen. Hinzu komme, dass es anders als bei Ausbildungsversicherungen auch relativ egal sei, wie alt derjenige sei, der den Vertrag abschließt. Eltern können ihn zunächst auf sich laufen lassen und dann zu jeder Zeit gegen eine geringe Gebühr auf das Kind übertragen. Es sei aber auch möglich, den Vertrag gleich im Namen des Kindes abzuschließen.
„Wenn man Sparen will, sind Bausparverträge der falsche Weg", betont Christian Schmid-Burgk, Leiter der Abteilung Baufinanzierung, bei der Verbraucherzentrale in Hamburg. Der Verbraucherschützer hält wenig von der Idee des Bausparens, sondern empfiehlt stattdessen andere Wege der Immobilienfinanzierung.
Damit Bausparen überhaupt eine Option ist, müssen diverse Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigste: Es sollte tatsächlich ein Anspruch auf staatliche Förderung bestehen, das zu versteuernde Einkommen dürfe bei Ledigen 25 600 Euro (bei Verheirateten 51000 Euro) nicht übersteigen. Darüber hinaus, so Experten, dürfe der Ansparzeitraum nicht zu lang werden. Denn je länger zu niedrigen Zinsen gespart wird, umso deutlicher offenbaren sich die Nachteile, rechnet auch Verbraucherschützer Gottschalk am Angebot Fuchs Standard von Schwäbisch Hall vor: Wer 15 Jahre monatlich 50 Euro einzahlt, bekommt gerade einmal ein Prozent Zinsen und hat am Ende einen Ansparbetrag von 11102 Euro. Sein Darlehensanspruch beträgt 27000 Euro. Hätte er jedoch sein Geld auf einem Tagesgeldkonto angespart und hierfür durchgängig vier Prozent erhalten, läge das Guthaben um 5106 Euro höher, nämlich bei 16208 Euro.
Die Konsequenz: Der Häuslebauer müsste gar nicht 27000 Euro aufnehmen, sondern nur 21894 Euro. Berücksichtigt man diese Opportunitätskosten bei dem Bauspardarlehen, dann setzt sich dies praktisch nur aus einem „Nettokredit" von 21894 Euro sowie aus „zusätzlichen Einmalkosten" von 5106 Euro (den entgangenen Guthabenzinsen) zusammen.
Daraus ergibt sich ein Effektivzins des Darlehens von 7,72 Prozent. „Das ist auch für ein Nachrangdarlehen nicht unbedingt günstig", meint Gottschalk. Ein weiterer Kritikpunkt: Bausparkredite müssen in der Regel in wesentlich kürzerer Zeit zurückgezahlt werden als andere Darlehen. Da könne dann selbst ein niedriger Zins die enormen Belastungen nicht auffangen. So bietet beispielsweise die LBS Bremen einen Tarif an, bei dem für ein Darlehen von 100000 Euro monatlich 1340 Euro zu tilgen sind. Zum Vergleich: Bei einem klassischen Hypothekendarlehen über 100000 Euro liegt die monatliche Bealastung bei einem Nominalzins von fünf Prozent und einer anänglichen Tilgung von drei Prozent nur bei 666 Euro.
Fazit: Wenn überhaupt, darin sind sich Experten einig, kommen Bausparverträge derzeit nur für zwei Gruppen infrage: für künftige Eigenheimerwerber, die bereits über sehr viel Eigenkapital verfügen und nur noch relativ wenig Kredit aufnehmen müssen, und für Eigenheimbesitzer, die lediglich eine Modernisierung planen und dafür ebenfalls nur einen vergleichsweise kleinen Kredit benötigen.





VWL
VWL on 8. Juni 2010 - 23:45Danke für die guten Tipps, habe selbst jedoch einen Bausparvertrag und nutze hierbei die VWL die ich vom Arbeitgeber erhalte.
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